Geschichte von Breetz

Das Breetzer Herrenhaus

Die Geschichte von Breetz

 

1325 Schmales Straßendorf am südlichen Ufer der Löcknitz hat den Namen Brutzou. 800 Meter west/nord/west von Brutzou am linken Ufer der Löcknitz gab es alt- und jungslawische Siedlungen im 8./9.-11. Jahrhundert. 1325 erwarben die von Alsleben (Pfandbesitzer und Herren von Lenzen) im Tausch gegen Einkünfte in Lanz das Dorf Brutzou. Von Alsleben waren auch Lehnsbesitzer der Burg Eldenburg von 1419-1465. Danach im Lehnsbesitz der von Quitzow bis 1719.

 

1495 Findet sich der Name Brieze in der Domäne Eldenburg später Bretze. Breetz gehört zum Schloß Eldenburg

 

1536 Brutzowen

 

1540 Brietze

 

1544 Britze

 

1576 Das Dorf besteht aus 12 Fischerkaten.

 

1588 Im Dorf findet man 1 Schulzen (es gibt kein Lehnpferd) und 12 Kossäten.

» Ein Schulze kommt von Schultheiß. Er wurde vom Grundherren eingesetzt und mußte dafür sorgen, dass alle Dorfbewohner ihren Pflichten nachkamen und ihre Abgaben zahlten.

» Kossäten waren Dorfbewohner die einen Kotten bzw. eine Kate besaßen. Ihr Landbesitz betrug meist eine achtel bis zu einer halben Hufe (1 Hufe=30 Morgen in Preußen), sie besaßen wenig Vieh und ein Pferd. Da die Landwirtschaft meist nicht zum Lebensunterhalt ausreichte, arbeiteten sie häufig als Handwerker.

 

1621/32 In Breetz leben 12 Vollpflichtiger (1 Schulze, 1 Krüger), 2 Kossäten. Alle waren ohne Äcker, treiben Fischfang und Viehzucht.

» Das Wort „Krüger“ kommt aus dem Niederdeutschen und bezeichnet einen Gastwirt, der einen Krug betreibt.

 

1638 Das Dorf wird von den kaiserlichen Völkern total ruiniert und eingeäschert, es waren keine Hütten und Menschen vorhanden.

 

1652 Das Dorf ist wüst und bis 1666 fast völlig desolat. Nach einem ersten Hofbrief wird ab 1664 mit dem Wiederaufbau begonnen.

 

1640 setzte der große Kurfürst den Admiral Gysel von Lyr aus den Niederlanden als Statthalter in Lenzen ein. Er beseitigte die Spuren des Dreißigjährigen Krieges und bevölkerte die Wischedörfer neu. Gegen das Hochwasser des Frühjahres, das durch die Schneeschmelze aus den Bergen von Böhmen, Thüringen und dem Harz große Wassermassen mit Geröll und Löß über die Wiesen und Felder der Region mitbrachte, baute er die ersten Winterelbschutzdeiche. Außerdem errichtete er Achterdeiche zum Schutze von Dömitz vor dem Rückstromwasser der Löcknitz und er schuf sogenanne Pracherdeiche, das sind Deiche mit Durchlässen, um das sogenannte Gelbwasser durchzulassen damit der Schlick sich auf den Feldern ablagert. 24 Jahre wirkte Gysel von Lyr in der Lenzener Wische. Er wurde 1676 an der Kirche in Mödlich begraben.

 

1678 Brößke

 

1686 Es gab im Dorf einen Halb Hüfner mit einer Hufe Land und zehn Halb Hüfner mit je einer halben Hufe Land.

»Ein Hüfner ist ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder ein Teil einer Hufe Land bewirtschaftet. Mit dem Wort Hufe hat man die landwirtschaftliche Fläche bezeichnet, die man mit einem Pflug und der Arbeitskraft einer Familie bestellen konnte. Eine Hufe entsprachen in Brandenburg 30 Morgen. (1Morgen=2500 m²)

Weiterhin lebte dort ein Schulze, 2 Kossäten oder Kätner ohne Acker (ein Schneider) ein Kuhhirte, ein Schweiner, ein Einlieger (hatte kein eigenes Haus und wohnte zur Miete) und ein Krug. Ein Hof war wüst, dieser Hof gehörte dem Amtmann v. Quitzows. Vormals war es eine Fischerei, exestierte aber nicht mehr , weil die v. Quitzows die Laaken trockengelegt und zu Wiesen gemacht haben. Es gab wenig Brennholz, deshalb mußte es in Mecklenburg zugekauft werden. Es gab keine Mast, aber gute Wiesen. Jeder konnte bis zu 14 Fuder Heu machen. Es wurde Viehzucht getrieben. Wegen der Überschwemmungsgefahr wurde kein Winterroggen gesät, sondern nur etwas Sommerroggen, Gerste und Hafer. Man setzte damals pro Hof 14 Scheffel Gerste an. Dann gab es noch ein Schulmeister. Insgesamt gehörten 1548 Morgen zu Breetz!

 

1719 Als der letzte v. Quitzow starb, fiel das Lehen an den König von Preußen zurück. Dieser setzt einen Amtmann auf der Eldenburg ein, der den Bauern von Breetz ihr Land streitig machte. In einem Prozess konnten sich die Bauern durchsetzen und es wurde aus Ihnen „Königliche Erbpächter“. Der preußische König, Friedrich Wilhelm I., verordnete aber auch, dass sich die neuen „Herren von Breetz“ in die 1. Steuerklasse einschätzen ließen. Am 20.6.1725 wurde ein Vertrag mit den Besitzern der Höfe zu Breetz geschlossen und durch Kabinettbeschluß vom 22.8.1725 genemigt. Danach mußte ein voller Hof jährlich 220 Reichstaler Steuern zahlen. Die beiden 1/4 Höfe zahlten je 40 Reichstaler. Im Gegenzug wurde Ihnen das volle Eigentum ihrer Höfe zugesichert.

 

1719 In Breetz lebten 12 Kossäten, 2 Kätner, 4 Paar Einlieger, 1 Hirt ohne Vieh. Es gab 6 Hufe à 14 Groschen.

 

1728 Breetz hatte ein Schulze mit 122 Morgen, 9 Grundbesitzer mit 122 Morgen und ein Grundbesitzer mit 64 Morgen. Ein Heidereiter mit 246 Morgen (Heidereiter ist landeskundig, berittenes Forstpersonal!?,) 1 Schwein- und Kuhhirt mit 5 Morgen.

 

1734 Jetzt gab es 9 Bauern in Breetz, 19 Häusler (Kleinstbauern mit eigenem Haus aber wenig Land) und 2 Hirten. 6 Hufe hatten 7 Wispeln Saat ( 1 Wispel = 24 Scheffel)

 

1735 Nun zählte man in Breetz 12 volle und 2 kleine Höfe.

 

1745 Das Dorf bestand aus 12 Bauern und 2 Kätnern.

 

1747 Im Dorf lebten 1 Lehnschulze, 10 Bauern und 3 Kossäten, alle mit erblichen Besitzrecht. 1747 wurden durch eine Feuersbrunst 13 Höfe eingeäschert, nur der Krug blieb verschohnt.

 

1760 Jetzt gab es im Dorf 12 Hüfner, 2 Kätner und ein Kuhhirt. Sechs Hufe gehörten zum Dorf.

 

1769 14 Erbpächter lebten jetzt in Breetz, davon waren 12 Bauern, einschließlich ein Schulze und ein Förster, 2 Kossäten davon war einer Krüger. Außerdem gab es noch 2½ Paar Einlieger. Man betrieb Viehwirtschaft (Fettweide).

 

1791 Man zählte jetzt 11 Bauern, 2 Kossäten, 11 Hausleute, 19 Feuerstellen. Die Erbpächter sind von Einquartierungen eximiert.

 

1801 Man zählte jetzt 12 Ganz Bauern oder Erbbesitzer(pächter), 2 Kossäten, 13 Einlieger; 6 Hufe; insgesamt 19 Feiuerstellen und 136 Einwohner. Die Bemarkung Breetz war in der ganzen Prignitz nach dem Kontributsverzeichnis am höchsten, mit No. 1 bonitiert. Das Dorf zahlte an monatlicher Grundsteuer 15 Taler, 13 Groschen, 6 Pfennige und dazu noch 5 Taler, 9 Groschen und 10 Pfennige monatlich Kavalleriegeld.

( Quelle:„Die Nachkommen der Wendt“ von Otto Hintze; 18. August 1927)

 

1810 In diesem Jahr klagte die Gemeinde Breetz beim Kammergericht zu Berlin auf Wiedererstattung der verauslagten durch die Einquartierung der letzten Jahre enstandenen Unkosten. Laut Protokoll der Constitutionsakte vom 20.6.1725 und der Kabinetts-Ordre vom 22.8.1725 waren die Erbpächter ausdrücklich von allen Amtsauflagen zukünftig freigestellt. Der Prozess endete 1811 mit einem Vergleich.

( Quelle:„Die Nachkommen der Wendt“ von Otto Hintze; 18. August 1927)

 

1812 Am 18. Januar 1812 schloß die Kurmärkische Regierung mit den Erbpächtern von Breetz einen Ablöse- und Kaufkontrakt. In diesem Kontrakt übertrug der Fiskus die hohen, mittleren und kleinen Jagdrechte der Breetzer Feldmark auf die Erbpächter. Sie durften die Jagd aber nicht selber ausüben, sondern mußten einen geigneten aus ihrer Mitte wählen.

Unterschrieben wurde der Kontrakt von: Adolf Friese, der Schulze; Christoph Friese; Georg Friese; Carl Fromm für Hackeradt; Johann Schultze; Franz Eggers; George Stürcke; Joachim Sommer; Ludwig Buchholtz; Christian Behrmann; Samuel Sost und Christoph Wenndt.

( Quelle:„Die Nachkommen der Wendt“ von Otto Hintze; 18. August 1927)

 

1814 Kaum war man der Franzosen ledig, da brannte im Jahre 1814 das ganze Dorf nieder. Vom im Rauchfange hängenden Speck sollen Stückchen durch den Wind zum Schornstein hinaus auf die Strohdächer gefallen sein und diese in Brand gesteckt haben. Nur ein Stall von Nr. 8 am Ausgang des Dorfes, sowie die alten Scheunen am Eingang des Dorfes von Seedorf her blieben stehen. Im folgenden Jahr erbaute man die Häuser wieder in ihrer heutigen Gestalt. Von der königlichen Regierung erhielten die Gutsbesitzer dazu Bauholz aus der Wittstocker Heide. Wärend alle Gutsbesitzer sich mit einstöckigen Häusern begnügten, in denen praktisch jeder Raum berechnet worden war, baute Christoph Wendt ein zwei Stockwerke hohes Haus.

( Quelle:„Die Nachkommen der Wendt“ von Otto Hintze; 18. August 1927)

 

1819 In Breetz lebten 12 Hüfner, 2 Kätner 5 Paar Einlieger; Es gab 6 Hufe à 14 Groschen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kastanienallee in Breetz von 1906

 

22.3.1888 im März war das schlimmste Hochwasser, das die Gegend gesehen hat. Der Höchststand war vom 22. bis 23. März. Der Elbdeich brach zuerst in Kietz und dann in Klein Wootz. Der Rückstau aus der Löcknitz setzte die Gemarkung Breetz, Seedorf, Bäckern, Moor und Eldenburg unter Wasser. An der Bushaltestelle in Breetz findet man eine Marke vom damaligen Wasserstand.

 

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Schloß Eldenburg (1938)

 

1945 nach dem Ende des 2.Weltkrieges wird Breetz von der Roten Armee

besetzt. Hans Wendt wird Bürgermeister von Breetz.

 

1945 in Eldenburg wird Freiherr von Wangenheim enteignet, in Breetz Hans Wendt und Paul Sommer.

 

1947 das Eldenburger Schloß und der Turm werden gesprengt und abgerissen. Das gleiche wird mit der Eisenbahnlinie gemacht.

 

1947

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Obere Reihe: ,Albert Dröge, Hans Wendt, Alois Hergesell, Förster Langhagel

 

Untere Reihe: Ziem, Julius Busse, Paul Strauch (PG-Mitglied)

 

1960 Kollektivierung aller Bauer in Breetz zu einer ÖLB und VEG.

 

 

1961 Breetz wird der Gemeinde Seedorf zugeordnet.

 

1969 in diesem Jahr beginnen die Arbeiten des Großprojektes Abschnitt 2 "HGM Löcknitz" Hochwasserschutz, Gewässerbau, Melioration. Die Löcknitz wird umverlegt, von der Einmündung vor Dömitz(Schwarzwasser) zur Einmündung 12,5 km weiterhin Wehningen in die Elbe. Damit einher umfangreiche Meliorationen auf ca. 13.000 ha. In Breetz wird eine neues Wehr gebaut und die Löcknitz begradigt. Kosten für alles werden ca. 120 Millionen Mark betragen..

 

1981 In Breetz leben 21 Frauen und 21 Männer.

 

1987

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Breetzer Konsum

 

1987 Die Kastanien in Breetz werden abgesägt.

 

1955 Breetz hat 21 Einwohner.

 

2010 Breetz hat 20 Einwohner.

 

 

Bilder der Familie Roost, Kastanienallee 12

 

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Das Haus der Familie Roost, Kastanienalle 12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Familie Bernhard Roost Ehefrau Helene und die Kindern Renate, Hermann und Bernhard (von l.).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Schulklassen in Seedorf um 1921 mit Gerhard und Renate Roost (obere Reihe rechts)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Herrmann Kase bei Hochwasser in Breetz und Reinhard Roost beim Milchtransport